Die Anfänge nach dem 2. Weltkrieg
Ausgangslage, Anfänge, das Europa der Sechs
Situation nach dem 2. Weltkrieg
- Durch den von Nazi-Deutschland ausgelösten Krieg und die folgende japanische Aggression im Pazifik kam es zu weltweit ca. 75 Mio. Toten (Soldaten und Zivilisten). In China starben allein 20 Millionen. Erst die Atombomben auf Japan beendeten den Weltkrieg.
- In Europa starben in der Sowjetunion 24 Millionen Menschen, in Deutschland 7,7 Millionen. Der nationalsozialistische Völkermord kostete ca. 6 Millionen europäischen Juden, vor allem in Osteuropa, das Leben. Außerdem wurden auch viele andere, nicht jüdische Menschen Opfer der Nazi-Diktatur.
- Millionen von Versehrten und Traumatisierten irrten umher. Überall gab es massive Schäden und Zerstörungen, Armut, Elend und Hunger.
Das Erschrecken über Tod und Zerstörung und der Wunsch nach Frieden und Versöhnung bei den Überlebenden war groß.
Zunehmender Ost-West-Konflikt
- Die Welt teilte sich in eine sowjetische und eine westliche Einflusszone – doch die Spannungen zwischen den beiden Zonen nahmen zu.
- Das geteilte Deutschland wurde vom Kriegsschuldigen und Holocaust-Täter zum Teil der Ost-West-Blöcke als BRD und DDR, die beide als Staaten 1949 gegründet wurden.
- Der BRD eröffnete das Chancen auf westliche Integration und wirtschaftliche Partnerschaft, die DDR wurde in den Ostblock integriert.
- Eine schnelle Wiedervereinigung Deutschland rückte dadurch aber in weite Ferne.
Schumann-Plan und Gründung der EGKS
- Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman auf Basis einer Idee des französischen Unternehmers Jean Monnets die Schaffung einer Staatengemeinschaft vor, deren Mitglieder ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen unter gleichzeitigem Wegfall von Zöllen.
- Die Idee dabei war, weitere Kriege zwischen Deutschland und Frankreich in Zukunft zu verhindern und die unselige ‚Erbfeindschaft’ zu überwinden.
- Frankreich hatte großes Interesse an Kohle und Stahl im Ruhrgebiet und im Saarland. Durch die gemeinsame Kontrolle und Vergesellschaftung dieser Produkte, sollten sie als Kernbestandteile einer Kriegswirtschaft ‚entnationalisiert‘ werden.
- Die Veröffentlichung dieses Schuman-Plans war der Startpunkt für ein gemeinsames Europa. Daher wird seit 1985 der 9. Mai als Europatag gefeiert.
- Am 18.4.1951 gründeten dann Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) – auch Montan-Union genannt.
- Sie war die erste einer Reihe supranationaler europäischer Institutionen, die schließlich zur heutigen Europäischen Union wurden.
Die Römischen Verträge
- Trotz Scheitern einer schnellen politischen Integration und dem vergeblichen Bemühen um eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG), konnten 1954 Jean Monnet, Paul-Henri Spaak sowie Willem Beyen die Idee einer weiteren wirtschaftlichen Integration mit gemeinsamem Markt für Industrie- und Landwirtschaftsprodukte sowie einer Zollunion wiederbeleben.
- 1957 wurden die sog. ‚Römischen Verträge‘ unterzeichnet und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet. Dort war folgendes enthalten:
- Maßnahmen zu einem freien Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr
- Voraussetzungen für den gemeinsamen Binnenmarkt (1992) und die Wirtschafts- und Währungsunion (1999)
- Grundlagen einer gemeinsamen Agrarpolitik zur Ernährungssicherheit, die aber in der Folge auch zu Überproduktionen führte (Butterberge, Milchseen)
- Abbau von Zöllen untereinander, gleiche Zölle nach außen
- Im gleichen Zuge wurde auch eine Organisation zur Koordinierung und Überwachung ziviler Kernenergie und Kernforschung gegründet (EURATOM).
1965 fusionierten die EGKS, die EWG und Euratom zur Europäischen Gemeinschaft (EG).
1966: Einigung auf eine Agrar-Marktordnung sowie die Vollendung der Zollunion